Aurelia ist seit einem Jahr Leverkusener Bürger

Hallo miteinander!

Jetzt bin ich seit genau einem Jahr Vollmitglied meiner Familie hier in Leverkusen. Und das wird gefeiert. Also, wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich euch eine Flasche Schampus spendiert, aber mein Finanzverwalter meint, ein Piccolo von der einheimischen Hausmarke müsste in Zeiten wie diesen reichen. Ich beuge mich der Gewalt. ER meint, 1,50 € für den Piccolo wären genug.

Ich kann mich noch gut an den Februar 2020 erinnern: Eines Tages sagte Frau Reither: „Du bist jetzt abgabebereit und weißt du schon, wo du hinwillst?“ Auweia! Ich kannte doch kaum jemanden. An mein allererstes Zuhause kann ich mich nicht mehr erinnern, an mein nächstes will ich mich nicht mehr erinnern und dass die Pflegeplätze nix von Dauer waren, war mir schon klar. Und da gab Frau Brezina mir den Tipp mit der katzenmäßig verwaisten Familie in Leverkusen. Doch was sie mir von denen erzählte, klang gar nicht überzeugend. Die hatten nämlich keine Ahnung von Katzen, zumindest nicht von British-Short-Häär, sondern bloß mit den halbverwandten Langhaaren, den Persern. Auch keine Ahnung von dünamischen Jungkatzen, sondern nur von etwas gereifteren ruhigeren. Na gut, blinde Katzen kannten sie wohl schon und zweiäugige auch, aber null Erfahrung mit Einäugelchen, so wie ich eines bin. Und wenn sie auch Erfahrungen mit roten, blauen, grauen und gescheckten, ja selbst mit colour-point Katzen haben, aber keine Ahnung von Katzen mit rot-creme-gestromtem Fell. Zu solchen Anfängern sollte ich ziehen? Bin ich denn ein Versuchskaninchen? Und dann erfuhr ich auch noch, dass sie viel Urlaub machen. Urlaub heißt meistens: Die Familie ist weg, die Katze ist allein zu Hause, einmal täglich kommt die Nachbarin, es gibt frisches Wasser und Futter, das Katzenklo wird gesäubert und – Tschüss Katze, bis Morgen. Im günstigsten Fall! Die anderen Geschichten, die in Katzenkreisen im Zusammenhang mit Urlaub erzählt werden, will ich gar nicht glauben. Also meine Bedenken waren groß!

Aber Frau Brezina hat gesagt: „Vertraue mir, alles wird gut.“ Und weil ich von ihr wusste, dass die Leverkusener Familie noch immer um ihre zuvor gestorbene Katze trauerte und gar nicht auf der Suche nach einer Nachfolgerkatze war, habe ich eine Initiativbewerbung geschrieben, so mit allem Drum und Dran: Anschreiben, Lebenslauf, Bildern, Hinweise auf Stärken (einfach lieb), Übergehen der Schwächen (kein Stammbaum).

Der Rest ist bekannt: Es folgten I-Mehls und Telefonate hin und her und schließlich trafen wir uns im Empfangssalon der Familie Reither (der klinisch saubere Raum mit den Keramikmöbeln, die mehrfach täglich so schön rauschen). Und drei Stunden später war ich in Leverkusen.

Tja, meine zwei haben trotz ihres schon etwas fortgeschrittenen Alters noch eine brauchbare Menge an Restlernfähigkeit gezeigt. Ich habe einen 3 m hohen KratzKletterBaum bekommen. Der Kratzbaum, den meine Vorgängerin ignoriert hatte, wurde reaktiviert. Verschiedene Futtersorten wurden ausprobiert (Perserfutter schmeckt ganz toll! Müsst ihr auch mal probieren.) Etliche Fenster wurden ausbruchsicher gemacht. Kratzpappen habe ich auch bekommen.

Tja, und die Sache mit dem Urlaub entwickelte sich als ganz entspannt. Wir haben nämlich ein kleines Haus auf Rädern, das binden wir hinten ans Auto, fahren los, und wenn wir angekommen sind, bin ich eben dort zu Hause – alles ist dann da: meine Familie inklusive der Vögelchen, Wasser- und Futternapf, Katzenklo, Kratzbrett. Sooo lasse ich mir als Katze den Urlaub gefallen.

So, das war es. Jetzt muss ich feiern. Ach so, mir fällt ein, wenn ihr auf mein Wohl angestoßen und den Piccolo geleert habt, dann habt ihr sicherlich hinterher einen Kater. Für den fühle ich mich schon in gewisser Weise verantwortlich: Also, ich würde als Erstes den Kater Piccolo nennen, dann müsst ihr ihn auf den Arm nehmen, streicheln, in einen Katzentransportkorb stecken, zum Tierarzt bringen und dort enteiern lassen, damit er keine schlimmen Sachen anstellt. Ich meine, 80 € sollten für die Katztratzion reichen.

Das war’s für heute, Aurelia

PS: Und denkt dran: Die Katztratzionsbescheinigung müsst ihr UNBEDINGT an Frau Stang schicken. Die nimmt das nämlich SEHR genau!