Der scheue Timon…..

Ein Kumpel für Jeroni

Timon kam im Februar 2019 zu uns. Wir haben ihn zu unserer 11-jährigen Katze Yasmin und unserem 3-jährigen Kater Jeroni geholt. Jeroni ist erst seit November letzten Jahres bei uns; er kommt aus einer spanischen Auffangstation, wo er 2,5 Jahre zusammen mit bis zu 20 Katzen gelebt hatte. Yasmin ist seit ihrem dritten Lebensjahr bei uns; sie kommt aus dem örtlichen Tierheim.

Beide verstehen sich sehr gut. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sich Jeroni vielleicht über einen Spielkumpel freuen würden, denn unsere Katzendame ist natürlich nicht mehr so aktiv wie ein dreijähriger Kater.

Also beschlossen wir, noch einem jungen Kater aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben. Wichtig war, dass dieser Kater sozial ist, dass er das Zusammenleben mit anderen Katzen kennt, damit die Katzenzusammenführung nicht allzu problematisch verläuft. Bei „Katzenschutzfreunde Rhein Ahr Eifel“ habe ich dann Timon entdeckt und ihn sofort in mein Herz geschlossen. Er wurde als absolut sozial beschrieben, da er aus einer sehr großen Katzengruppe kam – und als scheu; so ließ er sich nicht anfassen. Da wir Erfahrung mit scheuen Katzen haben, hat uns das aber nicht gestört.

Timon zieht ein…..

Wir hatten das Arbeitszimmer als „Willkommenszimmer“ für Timon vorbereitet. Hier bleiben immer alle neuen Katzen für ca. 1 Woche. Das Zimmer hat eine Glastür, sodass sich die Katzen sehen können, und einen freien Spalt unter der Tür, sodass sie sich auch riechen können. Wie erwartet, versteckte sich Timon die erste Zeit entweder hinter dem Schreibtisch, oder er saß auf dem Schrank. Wenn man etwas näher kam, wurde das mit Fauchen quittiert. Nachts hat er gefressen (zum Glück sehr gut) und gespielt. So ertränkte er seine Stoffbällchen im Wassernapf und die Holzbällchen rollte er gern gegen die Glastür; das knallte so schön. Die Sachen, die auf dem Schreibtisch lagen, wurden mit Vorliebe heruntergeschmissen. Er ist auf jeden Fall ein sehr aktiver und verspielter Kater – und das erleichterte die Kontaktaufnahme immens.

… und will spielen

Jeden Morgen und insbesondere abends war Spielzeit. Auch wenn Timon zunächst die Angel (und mich) aus sicherer Entfernung beobachtete, war der Spieltrieb dann doch stärker, und er kam aus seinem Versteck vor. Dann tobte er durch das Zimmer, „kämpfte“ mit der Angel und schlief manchmal auf meinen Beinen völlig erschöpft ein. Nach und nach wurde er zutraulicher. Er versteckte sich nicht mehr, wenn ich in das Zimmer kam; bald begrüßte er mich sogar; nach einer Woche konnte ich ihn mit dem Finger über das Köpfchen streichen. Ich fand für einen so scheuen Kater waren das recht gute Fortschritte.

Die Zusammenführung braucht Zeit

Nachdem sich die Katzen an der Tür schon etwas kennengelernt hatten (es gab dort immer Leckerlies), wagte ich die Zusammenführung. Doch diese verlief zunächst leider nicht sehr erfolgversprechend, was nicht an Timon lag – er begrüßte Yasmin und Jeroni voller Freude -, sondern an Jeroni, der der Meinung war: Es darf nur einen Kater im Haus geben, und das ist er. Er verhielt sich leider nicht sehr nett Timon gegenüber, so jagte er ihn permanent durch das ganze Haus. Ich trennte alle wieder. Fing wieder an mit dem Decken-Tausch und Zimmer-Tausch und brachte alle erst einmal nur zusammen, wenn ich Zuhause war. Dabei immer mit Leckerlies „bewaffnet“, um Jeroni ablenken zu können, wenn sein Blick sagte: So, ich muss mal wieder zeigen, wer hier Chef ist. Und ganz viel Spielzeit für Timon, damit er nicht so traurig war.

Nach und nach entspannte sich die Situation. Jeroni wurde netter. Yasmin war von Anfang an relativ gelassen. Und Timon wurde selbstbewusster; so fauchte und knurrte er Jeroni durchaus an, wenn dieser ihn jagen wollte (immerhin ist Jeroni 1,5-mal so groß wie Timon).

Alles ist schön

Jetzt gehen alle sehr nett miteinander um. Dass Jeroni und Yasmin den Kleinen aufgenommen haben, kann man gut an Kleinigkeiten feststellen: Yasmin lässt es gelassen über sich ergehen, wenn Timon durch das Wohnzimmer jagt und mit Bällchen spielt, obwohl sie es sich vor dem Kamin gemütlich gemacht hat und schlafen will. Und Jeroni bringt Timon regelmäßig Mäuse mit. Er legt sie vor ihm ab; nicht mehr vor uns. Timon wiederum liebt Jeroni abgöttisch; er folgt ihm überall hin; er ist sein großer Kumpel.

Schön ist auch, wenn die drei zu Fütterungszeiten in die Küche marschieren. Timon, der Jüngste und Kleinste, vorneweg; gefolgt von Jeroni und gemessenen Schrittes Yasmin. Timon hat die Angewohnheit, seinen Kopf in den Napf zu stecken, aus dem Yasmin oder Jeroni fressen – und die Großen lassen ihn gewähren.

Timon ist jetzt seit fast 8 Wochen bei uns, und er hat sich richtig gut eingelebt. Er tobt durch das ganze Haus, springt überall hoch, spielt mit allem, ist extrem neugierig, folgt mir auf Schritt und Tritt und: er lässt sich streicheln. Er fordert seine Streicheleinheiten richtig ein und schnurrt dabei, wie ein Traktor. Er ist ein ganz Süßer!

Scheue Katzen brauchen ihre Chance

Wir sind sehr froh, dass Timon bei uns und es ist so schön zu sehen, wie er Tag für Tag immer mehr Vertrauen zu uns gewinnt. An dieser Stelle möchte ich eine Lanze brechen für all die scheuen Katzen, die so oft übersehen werden und im Tierheim warten, da sie nicht auf die Besucher zugehen und schmusen. Sie haben eine Chance verdient. Jede Katze taut irgendwann auf; man braucht nur Zeit, Geduld und viel Liebe. Bei manchen geht es schneller, wie beispielsweise bei Timon, bei manchen dauert es länger; so hatte sich unser (leider verstorbener) Kater Paolito erst nach einem Dreivierteljahr sanft über das Köpfchen streicheln lassen.  Aber der Moment, wenn das Eis gebrochen ist, ist einfach unbeschreiblich schön.