Gerettet

26.8.21

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V.  berichten:

„Warum wir immer weiterkämpfen“ – 47 Katzen gerettet

Bereits sechs Wochen ist es her, seitdem das Hochwasser sich seinen unaufhaltsamen Weg durchs Ahrtal bahnte. Und nach wie vor ziehen die Ehrenamtlichen der Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel los, um umherirrende, orientierungslose und hilfesuchende Katzen zu finden und zu versorgen. Immer mit dabei schwingt die Hoffnung, noch lebende Katzen zu finden.  Und tatsächlich, der Erfolg gibt ihnen Recht: denn selbst jetzt, Wochen nach dem katastrophalen Tag, werden schmerzlichst vermisste Katzen gefunden und können wieder mit ihren überglücklichen Besitzern vereint werden. 47 dieser Erfolgsgeschichten können wir bisher verzeichnen. Und hinter jeder einzelnen steckt eine tragische Vergangenheit – aber glücklicherweise mit Happy End.

Stellvertretend für 47 gerettete Katzen steht „Mimi“. Ihre Geschichte soll hier erzählt werden. 

2 Uhr nachts, Ahrweiler, Kalvarienbergstraße. An der eingerichteten Futterstelle ist gestern Nacht ordentlich gefressen worden. Ein Lebenszeichen, ein Hoffnungsschimmer. Gesehen wurde hier in der Gegend bisher keine Katze. Tagsüber rollen durch den Ort schwerste Fahrzeuge, es ist laut, schlammig und stinkt nach Krankheit und Tod. Die meisten Katzen verstecken sich daher tagsüber. Nachts, wenn der Ort etwas zur Ruhe kommt, schleichen sich die Katzen aus ihren Verstecken und gehen auf Nahrungssuche. Denn das was einmal ihr Zuhause war, ist weg, auch ihre Bezugspersonen. 

Die eingerichteten Futterstellen des Vereins locken mit ihren Düften. „Überall dort, wo gefressen wird und Katzen vermisst werden, werden Maßnahmen zur Sicherung der Katzen ergriffen“, so Evelyn Stieber, die die Such- und Fangaktionen koordiniert. Die Katzen sind durstig und hungrig. Im Schutz der Dunkelheit trauen sie sich manchmal heraus. Freiwillige Helfer harren auch heute Nacht in ihren Autos aus und kontrollieren die aufgestellten Lebendfallen. Und tatsächlich um kurz vor 3 Uhr schnappt eine Falle zu. Eine Siam-Mix Katze kann gesichert werden. Sie ist stark traumatisiert. Einen Chip hat sie, aber ist leider nicht bei Tasso oder Findefix registriert. Die Helfer bringen die Katzendame direkt ins vereinseigene Katzenhaus nach Schalkenbach, wo sie von Andrea Brezina gegen 4 Uhr nachts entgegengenommen und direkt abgetastet wird. Manche Katzen sind so verschlammt, dass sie geschoren werden müssen oder irgendwelche Verletzungen haben. Nun kommt die traumatisierte Katze in ein bequemes Zimmer der Quarantänestation mit viel Futter und Wasser. Leider frisst die Katze nicht, so nehmen wir uns viel Zeit für die Maus und nach einiger Zeit des guten Zuredens fängt sie an zu fressen. Fehlt nur noch der Besitzer. 

Katzen, die gechipt und bei TASSO oder Findefix registriert sind, finden schnell wieder zu ihrem Dosenöffner zurück. Oftmals vergehen zwischen Einfangen und vom Besitzer abgeholt zu werden nur wenige Stunden. Bei unserem Findling müssen die Helfer einen anderen Weg gehen. Die Katzendame wird fotografiert und ihr Foto mit einigen Daten in den sozialen Netzwerken und auf der vereinseigenen Homepage veröffentlicht. Tanja, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin sitzt seit der Katastrophe manchmal 12 Stunden täglich am Computer und bearbeitet Anfragen von verzweifelten Katzenbesitzern. Sie durchforstet Vermisstenanzeigen von Katzen in diversen Gruppen und dort wird sie fündig. Nach der ersten Kontaktaufnahme können die Besitzer bestätigen, „das ist unsere „Mimi“. Über eine Woche haben die Besitzer verzweifelt nach ihrer Maus gesucht, haben schon daran gezweifelt, ob sie das Unwetter überlebt hat… und nun dieses Happy End, einfach nur Erleichterung und pure Freude für einen Moment in dem ganzen Chaos. „Mimi“ kann leider nicht heimkehren, da das Haus der Familie zum Teil zerstört wurde. So bleibt sie, bis ihr Frauchen ein neues Zuhause hat, in der Obhut der Katzenschutzfreunde, natürlich kostenfrei. Mittlerweile hat Mimi im Katzenhaus mit einem ebenso gefundenen Kater, der auch noch nicht Nachhause kann, angefreundet.

„Solche Erfolgsgeschichten wie bei Mimi lassen uns weiterkämpfen“, so die 1. Vorsitzende Andrea Brezina. Jedem reinkommenden Hilferuf wird nachgegangen. Überall dort, wo Katzen gesichtet werden, kommen die Ehrenamtler um zu helfen. Auch aus Not zurückgelassene Katzen werden auf Wunsch der Besitzer mit Leitern aus den Wohnungen geholt, falls notwendig auch mal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Jedem, der Hilfe wünscht und braucht, wird geholfen. Unsere Damen der Hotline haben in den ersten Wochen bis zu 14 Stunden täglich Telefondienst ausgeübt.

Der Wunsch der Katzenschutzfreunde: „Bitte verbreitet, dass wir da sind und helfen! Umso mehr Menschen in den Katastrophengebieten von unseren Aktionen erfahren, umso mehr Hinweise bekommen wir und umso mehr Katzen können wir retten!“ Gerne unterstützen die Katzenschutzfreunde auch bei der Erstellung und Verteilung von Vermisstenplakaten. Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass gefundene Katzen eine Zeit lang bei unseren Pflegestellen aufgenommen werden, bis sie wieder in ihr altes Zuhause zurückkehren können. Derzeit werden viele der geretteten Katzen auf Pflegestellen oder im Katzenhaus vorübergehend betreut, bis die Besitzer sie wieder zu sich holen können. 

An dieser Stelle möchten die Katzenschutzfreunde ein riesiges Dankeschön an die vielen „auswertigen“ Helfer aussprechen, die nachts auf Katzenfang gehen, Plakate aufhängen, Futterstellen einrichten oder beim Auspacken und Sortieren der zahlreichen Spenden helfen. Sie reisen aus Münster, Frankfurt, Köln, Bonn oder Bad Homburg an, geben ihre Freizeit und ihren Urlaub her, um dabei zu helfen, Tierleben zu retten. „Vielen Dank an dieser Stelle für eure unglaubliche Unterstützung!“ bedankt sich Andrea Brezina, stellvertretend für das gesamte Team der Katzenschutzfreunde und im Namen unserer Schützlinge. 

Pressebericht von Sara Vornweg   www. katzenschutzfreunde.de   Tel. 02646/915928

Spendenkonto IBAN DE61 5776 1591 0416 1258 00