Henry (vorher Andy) – von der Intensivstation in Traumzuhause

Hallo liebe Katzenschutzfreunde,

Ende Oktober 2018 war ich bei euch, habe mir euer Katzenhaus und besonders seine Bewohner angeschaut und nachdem es zuerst so schien, als wäre mein Vierbeiner noch nicht dabei, habe ich mich dann auf der Intensivstation in euren Neuankömmling „Andi“ verliebt. Mit verstrubbeltem und verklebtem Fell kauerte er in seinem Häuschen, wollte nicht wirklich rauskommen, hatte verklebte Augen, Milben in den Ohren und stark entzündete Zähne. Nach regelmäßigen Tierarzt-Updates war ich dann eine Woche später nochmal da und wir haben eine Stunde lang gekuschelt, ich habe ihm seinen neuen Namen „Sir Henry“ ins Ohr geflüstert und ihm erzählt, dass er bald mit zu mir nach Haus kommt, dort durch den Garten springen kann und ich schon alles für ihn am vorbereiten bin. Nach einem Hausbesuch war es dann soweit, ich habe ihn abgeholt und mitgenommen.

Die ersten Tage fingen holprig an. Da waren nun Henry, der absolut keine Ahnung hatte, was er nach 10 Jahren plötzlich mit so einem Menschen anfangen sollte, und ich, die keine Erfahrung mit Katzen hatte. Der kleine Vierbeiner war sehr ängstlich, traute sich die ersten Tage trotz offener Tür nicht aus seinem sicheren Wohnzimmer und meist gar nicht erst hinter dem Sofa heraus. Doch nach und nach wurde die Wohnung erkundet, das Futter nicht direkt runtergeschlungen, sondern ganz in Ruhe verspeist. Keiner mehr da, der es ihm streitig machen könnte. Wir haben uns kennen gelernt und ich wollte einfach nicht glauben, dass man einen älteren Kater nicht mehr erziehen kann, wie mir von allen Seiten verständlich gemacht werden wollte. Doch bereits nach wenigen Wochen, in denen ich meine Tonlage verändert und geschimpft habe, wenn er mir die Wurst vom Brot geklaut hat oder meine Dreads als Spielzeug benutze, hat mein kleiner Schatz verstanden und die Bedeutung des Wortes „Nein“ verinnerlicht.

In der gleichen Zeit fing es an, dass er hoch erhobenen Hauptes durch die Wohnung spaziert ist und langsam ausgiebige Streicheleinheiten wirklich genoss. Meine Eltern, die am Anfang gar nicht von meinem neuen Mitbewohner begeistert waren, kamen nun regelmäßig nach ihm schauen und spielten mit ihm, denn Ausgang war wegen den bitterkalten Temperaturen schwer und selbst wenn er mal zwischen den Beinen hindurchgehuscht ist, wurde mit der ersten Pfote auf dem kalten Boden schnell wieder der Rückwärtsgang eingelegt. Auch Henry gewöhnte sich nach und nach an die anderen Menschen, die ab und an in seinem Revier erschienen. Er folgte mir auf Schritt und Tritt in der Wohnung und wartete schon sehnsüchtig auf der Fensterbank meines Schlafzimmers, wenn er mein Auto in die Garage rollen hörte, um mich dann an der Haustür überschwänglich zu begrüßen. Nach und nach kam der Herr dann auch mal hinter dem Sofa oder unter dem Bett hervor, wenn ganz fremder Besuch kam, um zu schauen, ob man sich nicht eine kleine Streicheleinheit abholen könnte.

Aber auch seitdem ist wirklich viel passiert. Vor drei Monaten wurde ein Loch mit Katzenklappe in die Wohnzimmerwand gemacht, natürlich immer unter strengen Beobachtung seitens Henry. Auch die zwei Pfotenabdrücke auf dem frischen Beton durften natürlich nicht fehlen, man muss schließlich gleich mal deutlich machen, wem das neue Ding da gehört. Sehr stolz spaziert er seitdem rein und raus, wie es ihm gefällt und ohne auf Frauchen angewiesen zu sein. Mit den Nachbarskatzen wurde sich entweder angefreundet oder erfolgreich das neu gewonnene Territorium verteidigt. Vor ein paar Tagen hat er die ersten Mäuse gefangen und ganz stolz mit seinem einen Zahn durch den Garten getragen.

In den ersten Monaten noch geglaubt, dass der Kleine vielleicht überhaupt nicht miauen kann, wird mir nun jeden Abend lautstark erzählt, was er alles erlebt hat in meiner Abwesenheit. Natürlich erst nach dem Begrüßungs-Ritual, denn zuerst wird miteinander geköpfelt. Geschlafen wird ausschließlich in Frauchens Bett, ob tagsüber ohne oder nachts neben mir. Die Tapete an Henrys selbst erkorene Kratzstelle schützt nun eine Kratzmatte, die ausgiebig genutzt wird.

Besuch wird erst kritisch von einem Stuhl oder Sessel beäugt, aber spätestens nach fünf Minuten müssen die Kraul-Qualitäten des Fremden mal genauer untersucht werden.

Meine Eltern samt der ganzen Nachbarschaft sind dem roten Kater mit Stummel Schwanz mittlerweile total verfallen. Wenn Frauchen über Nacht weg ist oder gar mehrere Tage, sitzt er, wenn meine Mama den Rolladen im Wohnzimmer morgens hochzieht, schon geduldig bereit um guten Morgen zu sagen. Mein ganzes Leben habe ich gehört „Kein Tier in unserem Haus“, in meinem letzten Urlaub bekam ich neben den täglichen Fotos auch ein Video, wie Henry das Haus meiner Eltern von innen erkundet und mein Vater hinter ihm her, um zu erklären, in welche Räume die Samtpfote nicht darf.  Der Keller meiner Eltern ist übrigens auch heiß geliebt. Wenn die Tür offen steht kommt nach Stunden langen Erkundungstouren ein mit Spinnennetzen behangener, niesender Kater heraus.

Ihr Lieben, ich hätte nie zu träumen gewagt, wie glücklich mich mein Fratz machen könnte. Ich danke euch von ganzem Herzen für eure wundervolle Arbeit und, dass ihr auch Henry damals eine Chance gegeben habt. Ich könnte mir absolut keine bessere Samtpfote an meiner Seite vorstellen.

Ich liebe seine kleinen Macken, wenn er nach stundenlangen Erkundungen rein kommt, sich zu mir ins Bett gesellt und erstmal anfängt 30min das Gestrüpp aus seinem Fell zu ziehen, um es in meiner Decke zu verteilen. Oder wenn er seine verrückten Minuten hat, durch die Wohnung rennt, sich vor Geistern erschreckt oder sich vor mir versteckt, um mich dann zu überraschen. 

Er kann es mir zwar nicht mitteilen, aber ich glaube, dass der Kleine auch sehr glücklich ist.

Dementsprechend von Sir Henry und mir: Dankeschön! Von ganzem Herzen! Und für Alles!

Danke, dass ihr ihn Sonntags aufgenommen habt und nach meinem Interesse am Montag überhaupt nicht auf eure Website gesetzt habt. Danke, dass ihr mir ihn anvertraut habt und Danke, dass ich bei Fragen immer anrufen oder schreiben kann.

Ganz viele liebe Grüße,

Sir Henry & Meike