Das Katzenkinderzimmer

Die Katzenschutzfreunde haben ein Katzenkinderzimmer
Ein Sonntagnachmittag im Juli. Untypisch, alles grau und trüb. Was soll man heute nur anfangen? Sich bloß nicht die Laune verderben lassen!
Am sonnigen Vortag beim Sommerfest am Futterhaus Andernach hatten wir eine schöne Idee. Und dieser wolkenverhangene Sommertag bietet uns die perfekte Möglichkeit, die Idee umzusetzen.

Es geht für uns in die Nähe von Mayen. Da, mitten in der Eifel, umgeben von Landwirtschaft und endlosen Feldern lebt Martina mit ihrer Familie und ihren eigenen Katzen. Martina fungiert als Pflegestelle der Katzenschutzfreunde; und hier gibt es ein echtes Katzenkinderzimmer.

Martina und die Katzenschutzfreunde lernten sich vor vielen Jahren durch einen Fall von Animal Hoarding kennen. Martina nahm sich vier der verwahrlosten Katzen an, taufte sie auf die Namen Karlchen, Maria, Baghira und Penny und begleitete und pflegte die Katzen, bis sie in ein neues Zuhause umziehen konnten. Kaum waren die Vier ausgezogen, suchte eine tragende Katze namens Hope Hilfe bei Martina. Knapp zwei Wochen später kamen ihre wunderschönen Kitten zur Welt und Martina fand ihre Berufung: Pflegemama auf der eigenen Katzenkinder-Pflegestelle.

Im ersten Stockwerk ihres Einfamilienhauses sehen wir eine Zimmertür, deren Kassette durch Kaninchendraht Licht durchscheinen lässt. Die kleinen Zimmerbewohner bekommen so auch direkt mit, was „draußen“ so alles passiert. Und sofort begrüßt uns der kleine Brian! „Miau, wer bist Du? Ich habe Hunger, spiel mit mir!!!“ Nach der netten „rotgetigerten“ Begrüßung betreten wir das Katzenkinderzimmer.

Hier leben, spielen und toben zurzeit neben Brian noch Archi, Louis, Laya, Farina, Yukina, Felicitas, Frodo, Flyn und Floki. Vier schwarze, zwei rot- und vier Katzenkinder von insgesamt vier Katzenmüttern. Die Kleinen sind zwischen 10 und 12 Wochen alt.

Einige der Kleinen wurden von verwilderten Katzenmüttern auf die Welt gebracht die später wieder ausgewildert wurden, manche wurden mutterseelenallein im Feld gefunden und zu ihrer Pflegestelle gebracht.
Hier haben die kleinen Räuber nun ein Reich nur für sich alleine. Neben vieler Schmusekissen, Kratzbäumen, Spielzeug und Hängematten findet sich auch eine Couch zum gemeinsamen Schmusen. Ein Kitten Laufstall bietet für den Anfang Schutz für die kleine Familie, wenn die Mütter ihre Kitten noch stillen.

Nachdem uns Martina ihre Schützlinge kurz vorgestellt hat, dürfen wir Zeuge der „Raubtierfütterung“ sein. Wenige Minuten später sitzen zehn junge Katzenkinder rund um den großen Teller Nassfutter. Es wird laut geschmatzt und einer von der kleinen Bande knurrt herzig vor Begeisterung. Ich glaube es war Louis.

Kleine Katzenkinder können sich einig sein wie kleine Menschenkinder. Plötzlich liegen drei kleine Katzen auf einem Haufen für ein Verdauungsschläfchen, laut schnurrend, auf dem Fensterbrett sitzen vier Katzenkinder hintereinander wie Äffchen auf der Stange und putzen sich gegenseitig. Die kleine Laya interessiert sich für mich und kommt immer wieder schnuppern. Für ihr junges Leben ist sie wirklich sehr zutraulich und scheint Vertrauen zu mir zu haben. Sie kommt auf meinem Schoß, putzt sich ausgiebig ihr zartes Pfötchen, kringelt sich ein und schläft wie eine kleine süße Zimtschnecke auf meinem Schoß ein.

So ein Katzen-Kinderzimmer macht viel Arbeit, erklärt uns Martina. Jedes Kitten wird vor Eingang nachgeschaut, ob es Flöhe oder Ohrmilben hat, Würmer werden nach kurzer Zeit behandelt und peinlich genau muss auf Hygiene geachtet werden. Auch bedeutet es Erziehung, pflegen, waschen, schmusen, spielen und auch lernen. Man muss sehr aufmerksam sein und die Kleinen intensiv beobachten; nur so merkt man, wenn eines ein Problem hat oder gar krank ist.

Zwischendurch mal mit der Bande zum Tierarzt, zum Checkup, Impfen, Chippen… danach die Wäsche…. „abends falle ich dann ohnmächtig ins Bett“, so Martina.

Während unseres Besuchs melden sich Interessenten und wollen das ein oder andere Katzenkind kennenlernen. In den meisten Fällen verbindet Martina das mit Kaffee und Kuchen um die Interessenten besser kennenzulernen. Zusammen besuchen sie die Katzenkinder und stellen einander vor, wobei Martina die Menschen beobachtet, wie sie mit den Kleinen umgehen – das ist sehr wichtig, denn es handelt sich hier ja um Lebewesen. Manchmal, wenn sie ein gutes Gefühl hat, lässt sie die Interessenten auch schon mal einige Zeit im Katzenkinderzimmer alleine.
Wenn von beiden alles Seiten stimmt, sich Katzenkinder und neue „Dosenöffner“ also gefunden haben, kommt ein Vorvertrag zustande und die entsprechenden Katzenkinder werden für ihre neuen Menschen „reserviert“. Die Katzenkinder dürfen erst ab der zwölften Lebenswoche um- und ausziehen. Wenn der Zeitpunkt des Auszuges gekommen ist, fährt Martina die Kitten dann ins neue Zuhause. So lernt sie die Örtlichkeiten kennen wo ihre dann ehemaligen Schützlinge und kann den neuen „Besitzern“ noch Tips geben.

„Wie schaffst Du es, die kleinen Racker erst groß zuziehen und dann nach und nach abzugeben?“, frage ich Martina. Ich spüre ein wenig Wehmut in ihrer Antwort, doch sie ist bezaubernd:

„Ich liebe alle meine Babys und ich habe bis heute nicht Eines vergessen, kenne alle noch beim Namen und von manchen träume ich.“

Der Nachmittag vergeht wie im Fluge. Als es Abend wird, bedanken wir uns herzlich bei Martina.
Seit meine Katze Nina vor einigen Jahren zu mir zog, sage ich oft „Im nächsten Leben werde ich Katze“. Den Satz möchte ich erweitern:
„Im nächsten Leben werde ich Katze und der Start meines Lebens beginnt für mich bitte in Martinas Katzenkinderzimmer“.

PR Mitarbeiterin Svea Hoischen