Mai 2020: Lina- ein armes, hilfloses Häufchen Unglück

Das kleine Katzenmädchen Lina, gerade einmal sieben Monate alt, wurde von der sehr motivierten Tierärztin L.T. des Kreisveterinäramtes in Ahrweiler aus einer tierschutzwidrigen Haltung befreit. Das Tigerchen war sehr wahrscheinlich in ihrer ersten Rolligkeit gedeckt worden. Sie kommt aus einem Haushalt, in welchem Menschen Katzen vermehren und mit dem Verkauf der Tiere ihre finanziellen Einnahmen erhöhen. Krank, schmutzig, stinkend, verfloht, voller Ohrmilben und vor allem in einem sehr schlechten Ernährungszustand werden solche Katzen verkauft. Diese sogenannten Vermehrer verkaufen billig Rassekatzen oder Rassemixe. Die Tiere werden in unwürdigen Zuständen gehalten, sitzen auf Dreck und auf Haufen von Kot und anderen Ausscheidungen.

Leider gibt es immer wieder Menschen, die solche Katzen kaufen, aus Mitleid oder nur um eine „besondere Katze“ billig zu bekommen.

Das Veterinäramt des Kreises Ahrweiler hat gehandelt; und so wurden in den letzten Monaten viele von diesen Fellnasen und auch andere Tiere aus diesem schrecklichen Haushalt im schönen Bad Neuenahr, durch das Veterinäramt  fortgenommen.

Nun möchten wir von der kleinen Lina weiter berichtigen. Leider ist sie kein Einzelfall. Trotz ihres Alters war sie tragend. Laut Ultraschall hatte sie fünf Föten im Bauch und war am Ende der Trächtigkeit angekommen. Lina wog noch keine zwei Kilogramm, der Schwanz war verkrüppelt, das Fell stumpf und die ganze Katze wirkte eingefallen. Aber der Bauch: der war riesig. Sie saß zusammengekauert auf unserer Intensivstation im Katzenhaus und hatte sichtlich Schmerzen. Ein zweiter Tierarztbesuch wurde vereinbart, und die Tierärztin stellte fest, dass Lina schon in den Wehen lag, aber die Geburt nicht voranging. Wie auch? Wie sollten aus einer so zarten und viel zu kleinen Katze fünf Babys herauskommen? Das Becken erschien zu eng, und auch der Rest des Körpers sah  sehr deformiert aus. Man entschied sich für einen Kaiserschnitt.
Es war ein Glück als fünf kleine, bildhübsche und gesunde Babys das Licht der Welt erblickten. Lina überstand den Eingriff auch einigermaßen gut. Zumindest dachten wir das zunächst. Da sie keine Milch hatte und ihre Babys nur anfauchte – obwohl wir alles versucht hatten, Mutter und Kitten zueinander zu führen – entschieden wir uns, die Babys mit der Flasche aufzuziehen und Lina einfach ihre Ruhe zu gönnen. Die Kitten gediehen; nur Lina machte keinerlei Fortschritte. Sie hatte wegen der vielen Parasiten, die sie quälten, einige Medikamente bekommen; der Durchfall wurde bekämpft, die Flöhe waren Vergangenheit und auch die Kaiserschnittnarbe heilte gut ab. Doch  Lina machte einen scheuen und unglücklichen Eindruck. Es kamen fast täglich Katzenstreichler ins Katzenhaus und kümmerten sich liebevoll um das scheue kleine Kätzchen. Wie ein Häufchen Elend saß sie in ihrer Ecke und bewegte sich nur, um zu fressen und auf die Toilette zu gehen, welche auch des Öfteren verfehlt wurde. Das störte uns nicht, schoben wir die Unsauberkeit doch auf die vorherigen Lebensumstände. Wir dachten, es sei einfach  eine Frage der Zeit und sie würde schon sauber werden.
Weit gefehlt. Eine Kollegin, die im Katzenhaus viele Stunden verbringt, sah, dass Lina humpelte. Also wurde direkt ein Termin bei unserer Tierärztin in Spessart vereinbart. Diese stellte eine mehrfach gebrochene Wirbelsäule fest, hervorgerufen durch alte, unverheilte Brüche; sehr wahrscheinlich zurückzuführen durch eine stumpfe Einwirkung, ein Autounfall oder ein Tritt, eine zugeschlagene Tür; wir wollen uns nicht mehr vorstellen. Dies erschließt endlich auch, warum der verkürzte Schwanz so verkrüppelt war. Lina muss über lange Zeit unendlich Schmerzen gehabt haben, und niemand von den vermeintlichen Besitzern aus dem verwahrlosten Haushalt in Bad Neuenahr  bemerkte oder wollte bemerken, wie schlecht es der armen Katze ging. Mit Babys im Bauch, die auch noch auf die Verletzungen drückten, hat das arme Tier Schlimmes aushalten müssen. Tierquälerei nennt man das, und die Ausrede solcher Menschen hören wir so oft: Die Katze ist uns zugelaufen und gehört uns nicht.

Das ist für uns, die Katzenleben retten und Missstände beheben wollen, unvorstellbar und sehr schwer auszuhalten. Solange es nicht im ganzen Kreis Ahrweiler eine Katzenschutzverordnung gibt und jeder Katzenbesitzer seine Freigänger-Katze kastrieren, chippen und registrieren lassen muss, wird es immer solche Tierquäler geben, die man nicht für ihr Handeln verantwortlich machen kann.
Schweren Herzens mussten wir Lina gehen lassen. Sie wurde eingeschläfert und das Einzige, was uns beruhigt ist, dass sie jetzt keine Schmerzen mehr hat. Unsere Tierschutzarbeit ist sehr hart, und wir machen dies alles den Fellnasen zuliebe, doch manchmal kommen wir an eine Grenze, wo wir uns nur noch dafür entscheiden müssen, loszulassen.

Mach`s gut kleine Lina, wir haben dich sehr geliebt. In deinen Babys wirst du weiterleben.

Wir werden liebe Menschen für sie finden und es wird ihnen viel besser gehen, als es dir jemals ergangen ist;       das versprechen wir dir.

Liebe Bürgermeister, sollten Sie diesen Bericht lesen, setzen Sie auf Ihre nächste Versammlung den Punkt                „Katzenschutzverordnung“. Es ist aus Tierschutz- und Kostengründen dringend nötig, diese flächendeckend einzuführen. Da die Kosten von den Mitgliedern und Spendern der Katzenschutzfreunde, ebenso den Steuerzahlern und nicht von dem Verursacher getragen werden, ist es sehr wichtig die Katzenschutzverordnung einzuführen!!